© 2010 Markus Schwarze

Where is the line? #184

Hallo liebe Leser,

heute Morgen habe ich Claus Walter kennen gelernt.
Wie es dazu kam. Ein Teamessen stand heute auf dem Plan und somit hatte ich keine Zeit heute Mittag ein Foto zu machen. Daher war ich heute Morgen unterwegs. Ich habe das Auto, wie immer in Firmennähe geparkt und bin dann zu Fuß in die Innenstadt gelaufen. Auf dem Weg dorthin, kam ich an einer kleinen Seitenstraße vorbei und um nicht von den Autos überfahren zu werden, schaute ich vorbildlich nach links und rechts und wechselte die Straßenseite. Auf der anderen Straßenseite angekommen, schaute ich abermals nach links, mir war so als wäre da etwas “Interessantes” gewesen.
In ca. 10-15 Meter Entfernung lief ein stark behaarter, in einer roten Gore-Tex Jacke bekleideter und an den Armen 2 Tüten hängender Mann entgegen. Der Blick, sehr klar und offen nach vorne gerichtet. Ich schaute dann wieder nach vorne und ging ein paar Schritte weiter in meine Richtung und blieb nach drei, vier Meter stehen. Ich drehte mich noch einmal um und überlegte, ob es “richtig” wäre ihn nach einem Foto zu fragen. Nein sagte ich mir, was soll er davon haben und ich hätte kein gutes Gefühl dabei. Ich frage ihn einfach ob er mit mir frühstücken möchte, denn an erster Stelle steht der Mensch und dann das Foto. So gedacht, habe ich den Plan auch in die Tat umsetzten wollen und sprach Ihn an. Er stellte sich mir als Claus Walter vor und war sehr angetan von der Idee mit mir zu frühstücken . Also gingen wir ein paar Schritte weiter, und bestellten uns beim “Dat Backhus” Brötchen und Kaffee. Wir haben uns eine ganze Weile über unterschiedlichste Themen unterhalten, eines davon ist mir aber besonders wichtig. Er hat sehr lange von “der Grenze”  bzw. “wo ist die Grenze” gesprochen. Damit meinte er die immer geringere werdende Hemmschwelle vor Gewalttaten gegenüber Menschen die sich nicht wären können, wie z.B. Kinder oder Obdachlose. Es war teilweise wirklich erschreckend seinen Geschichten zuzuhören. Es gab aber auch tolle Erzählungen, zum Beispiel hat er mir eine seiner Taschen gezeigt, die er immer bei sich trägt. Sie war voll mit Büchern, die er noch lesen möchte bzw. gerade liest. Claus liest unglaublich gerne und spart sein Geld für wetterfeste Kleidung und Bücher.

Nachdem wir dann zu Ende gefrühstückt hatten, habe ich das Portrait von ihm gemacht. Ich bedankte mich bei ihm für den tollen Morgen und ging mit einem sehr schönen Gefühl im Bauch zur Arbeit.

Ich wünsche euch noch einen tollen Fußballabend und viele Grüße

Markus

ps: Ich hätte das Foto auch so bekommen, wie er mir sagte. So ist es aber schöner – wie ich finde.

5 Comments

  1. bombe^
    Posted 23. Juni 2010 at 23:13 | #

    Finds richtig klasse von dir, wie du an die Menschen heran gehst und wie viel Zeit du dir für dein Projekt nimmst. Mit viel Respekt, so wie es sich gehört.

    Alles Gute, Claus!

  2. Posted 24. Juni 2010 at 08:23 | #

    Jeden Tag eine gute Tat! Respekt, bei so einer Geschichte erscheint das Foto selbst fast schon nebensächlich … nichtsdestotrotz handelt es sich (selbstverständlich) um ein zuverlässig-natürliches Portrait :)

  3. Posted 24. Juni 2010 at 08:59 | #

    Finde es auch jedesmal bewundernswert wie du an die Leute herran gehst. Bei diesem Bild finde ich die Geschichte, trotz des natürlich richtig guten Fotos, um einiges besser.
    Es sollten mehr menschen so handeln wie du… :p Da sind die super Fotos auch verdient.

  4. Posted 24. Juni 2010 at 11:04 | #

    schöne geschichte, schönes foto.
    aber, und ich möchte jetzt keine übersetzungsdiskussion lostreten, beim bildtitel dachte ich spontan eher daran das das ende einer schlange (zum anstellen) suchte als du ihn angesprochen hast… oder etwas in der art.
    ohne “border” ist “line” sehr missverständlich…

  5. Posted 30. Juni 2010 at 12:14 | #

    Ich finde es wirklich toll, dass du dir gerade für Leute, die auf der Straße leben, so viel Zeit nimmst und nicht nur auf ein tolles Foto bedacht bist.
    Auch dass du sie dann einfach zum Frühstück oder Mittagessen einlädst, finde ich wirklich schön.

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