© 2010 Markus Schwarze

Hope dies last #172

Hallo,

tut mir leid das es so Spät geworden ist, aber ich konnte nicht früher.
Heute hat mich die Geschichte zu dem Bild zum weinen gebracht. Ich möchte auch erzählen warum. Es war mittags und ich war in der Hamburger Innenstadt unterwegs, aber irgendwie wollte es nicht so richtig klappen. Also ging ich wieder zum Hauptbahnhof und versuchte dort mein Glück. Viele tolle Bilder sind dort entstanden und ich machte mich wieder auf dem Weg zurück zur Arbeit. Es gibt eine Unterführung vom Bahnhof in die Einkaufsstraße, die ich gerade lang ging als mir dieser alte Herr entgegen kam. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte einfach das Gefühl ihn ansprechen zu müssen. Da er nicht mehr so gut hörte, musste ich lauter sprechen und micht teilweise wiederholen. Auf die Frage, ob ich ein Foto machen dürfte, sagte er: “Dann machen Sie wohl das letzte Foto von mir“. Ich war durch diese Aussage wie gelähmt und wusste nicht was ich jetzt sagen bzw. machen soll. Er nahm mir die Frage ab und erzählte mir, das er gerade von Arzt kommt mit der Diagnose Krebs! Endstadium!  Sein ganzen Leben hat er sich gesund ernährt, nicht geraucht, kein Alkohol und dann vor ein paar Jahren diese Diagnose – mit Aussicht auf Heilung. Nun Heute, am 11.06.2010 wurde ihm gesagt, das man nichts mehr machen kann. Wir haben uns über 30 Minuten lang unterhalten und ich musste meine Gefühle wirklich zurückhalten. Er verabschiedete sich mit den Worten: “Die Hoffnung stirbt zuletzt”. Ich drehte mich beim weggehen noch einmal um und sah einen alten, traurigen Mann.

Ich musste mich nach diesem Gespräch erst einmal auf eine Bank setzen und das ganze verarbeiten. Auch wenn ich diesen Mann erst vor 30 Minuten kennen gelernt habe, hat mich dieses Ereignis gefühlsmäßig völlig aus dem Ruder geworfen.

Auch wenn sich das jetzt komisch anhört – genieße jeden Tag.

Gute Nacht.

7 Comments

  1. Posted 12. Juni 2010 at 01:20 | #

    “genieße jeden Tag” Dickes WORD!

  2. deine alte Tante
    Posted 12. Juni 2010 at 11:15 | #

    es gibt Dinge im Leben, über die man sich aufregt und dann kommt so ein Foto und man sagt sich: warum rege ich mich auf, es geht nicht um Leben oder Tod: also runterfahren(fällt mir auch oft schwer) und ie positiven Dinge des Lebens sehen = think positiv. Toll Markus, dass du deinen Fotos mit Leben füllst, auch wenn das in dieser Situation etwas paradox klingt. LG an den Rest

  3. Posted 12. Juni 2010 at 11:59 | #

    Das Foto ist sehr eindrücklich und die Geschichte supertraurig… So etwas macht mir immer wieder bewusst, wie kostbar unser Leben ist, und wie wichtig es ist, jeden Tag zu geniessen!

  4. muje
    Posted 12. Juni 2010 at 16:39 | #

    Danke!

  5. Posted 13. Juni 2010 at 10:54 | #

    So eine Geschichte macht das Bild noch um einiges Ausdrucksstärker als es ohnehin schon ist. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, bekäme ich vom Arzt eine solche Diagnose. Schrecklich.

  6. Posted 15. Juni 2010 at 11:07 | #

    ….das ist sehr traurig, auch wenn ich wieder dich noch den armen mann kenne dann fühlt man mit – ich könnte mich nicht zurückhalten..meine papa verstarb 2007 – 1 jahr qualvolles leiden – ich kann sooo gud verstehen wie sich die gefühle anfühlen !!!

    lg/hannes

  7. Martin Gottwald
    Posted 6. Oktober 2010 at 09:44 | #

    Hallo Markus,

    so erschütternd die Geschichte dieses Mannes so faszinierend und tiefgehend ist dieses Protrait. Ich musste weinen als es das erste mal sah und gelesen hatte. Es war letzte Woche am 6ten Todestag meines Vaters, der leider auch sehr schnell dem Krebs erlegen ist.

    Dieses Bild hat mich schwer bewegt. Trotz all seinem Leid hat dieser Mann einen Ausdruck von Zufriedenheit. Ich würde zugern wissen ob er noch lebt.

    Martin

2 Trackbacks

  1. [...] Sein ganzen Leben hat er sich gesund ernährt, nicht geraucht, kein Alkohol und dann vor ein paar Jahren diese Diagnose – mit Aussicht auf Heilung. Nun Heute, am 11.06.2010 wurde ihm gesagt, das man nichts mehr machen kann. Wir haben uns über 30 Minuten lang unterhalten und ich musste meine Gefühle wirklich zurückhalten. Er verabschiedete sich mit den Worten: “Die Hoffnung stirbt zuletzt”. Ich drehte mich beim weggehen noch einmal um und sah einen alten, traurigen Mann.
Ich musste mich nach diesem Gespräch erst einmal auf eine Bank setzen und das ganze verarbeiten. Auch wenn ich diesen Mann erst vor 30 Minuten kennen gelernt habe, hat mich dieses Ereignis gefühlsmäßig völlig aus dem Ruder geworfen.
Auch wenn sich das jetzt komisch anhört – genieße jeden Tag. {Foto URL} [...]

  2. By Jeden Tag ein Foto | Kulturraum on 19. Oktober 2011 at 16:11

    [...] darunter mit einem Text, wie es entstand. Besonders hervorheben möchten wir die Aufnahme vom 11. Juni, die nochmal die Intensität und das seriöse Vorgehen des Fotografen [...]

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